Holger Gzella untersucht, wie das Reichsaramäische - die Kanzleisprache des Achämenidenreiches einschließlich des Biblisch-Aramäischen - Tempus (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft), Aspekt (eine Handlung als abgeschlossen oder im Verlauf betrachtet) und Modalität ("darf", "muss", "will" oder "dürfte", "müsste", "sollte") ausdrückt.
Dazu wird zuerst nicht nur die semitistische Sprachbeschreibung aufgearbeitet; auch die europäische Grammatiktradition, ihre Begriffsbildung und Methodik, wird einer kritischen, vorurteilslosen Überprüfung unterzogen. Tempus, Aspekt und Modalität erscheinen sodann in einem nach allen Seiten offenen Gespräch als "Konzepte", die zusammenhängen und sich durch ganz verschiedene sprachliche Mittel verwirklichen, also nicht an eine einzelne Form gebunden sind. Die Ausdruckskraft des Reichsaramäischen wird auf der Höhe der Forschung und anhand des gesamten überlieferten Textmaterials Beleg für Beleg (alles auch übersetzt) genauestens analysiert, innerhalb der über dreitausendjährigen aramäischen Sprachgeschichte verortet und in einen weiten semitistischen sowie allgemeinsprachlichen Rahmen gestellt. Diese bislang ausführlichste Untersuchung eines aramäischen Verbalsystems bietet somit eine festere Grundlage für die Erforschung der semitischen Syntax überhaupt und liefert auch den anderen sprachwissenschaftlichen Disziplinen eine Fülle von Anregungen. Neben einer exakten Definition aller Fachbegriffe wird die logisch aufgebaute Argumentation allgemeinverständlich formuliert. Register erlauben den schnellen Zugriff auf die zahlreichen Einzelinterpretationen.