Die Bundeswehr steht unter Beobachtung. Zahlreiche rechtsradikale Vorfälle sorgen seit Jahren fur Schlagzeilen: Soldaten fielen mit Hitlergrußen auf, horteten Waffen und bereiteten sich auf einen Staatsstreich am 'Tag X' vor. Alles 'Einzelfälle', wie das Verteidigungsministerium bis heute meist behauptet?
Der Historiker Jakob Saß zeigt, dass sowohl das Problem als auch die Verharmlosung so alt wie die Parlamentsarmee selbst sind: Seit ihrer Grundung gilt die Bundeswehr als attraktiv fur Rechtsradikale.
Hierarchie, Waffen, Uniform, Kameradschaft und nicht zuletzt die Verherrlichung der Wehrmacht in der offiziellen Traditionspflege zogen sie an. NPD und rechte Terrorgruppen rekrutierten besonders im Kalten Krieg erfolgreich unter Soldaten, antisemitische Ausschreitungen wurden als makabre Witze abgetan. Zwar stellten solche Skandale immer wieder das Leitbild des verfassungstreuen 'Staatsburgers in Uniform' infrage, zwangen aber auch das Verteidigungsministerium zu Reformen.